Die Antwort gibt es gleich vorab:

Weil das Thema Fitness überhaupt nicht kompliziert ist!

Wer heutzutage noch Fitness-Programme auf den Markt bringt, die nicht funktionieren, der muss schon ein Idiot oder schamloser Abzocker sein. In der aktuellen Zeit dürften diese Exemplare jedoch relativ schnell enttarnt werden und einen digtalen Shitstorm über sich ergehen lassen.

Wenn es darum geht athletisch auszusehen oder Muskeln aufzubauen, dann greifen alle (seriösen) Programme auf die gleichen Methoden zurück. Diese sind weder innovativ, noch revolutionär, sondern bauen allesamt im Wesentlichen auf alten Bodybuilding Prinzipien auf. Wer etwas anderes behauptet, der ist vermutlich als Kind in den Marketingtopf gefallen. Aber ich verstehe das natürlich, ich kann ja schlecht alten Wein in neue Schläuche füllen und das dann auch noch draufschreiben.

Bei der Anzahl an verschiedenen Angeboten ist es gar nicht verwunderlich, dass man den Eindruck bekommen könnte, alles rund um das Thema Fitness und athletisches Aussehen sei eine komplizierte Sache. Ist es aber nicht, wenn Du weisst, worauf es ankommt:

1. Dein Ziel

Dein Ziel ist absolut entscheidend für die Wahl eines geeigneten Online-Fitnessprogramms. Erst wenn Du weisst, wohin die Reise gehen soll, kannst Du die richtigen Weichen stellen. Möchtest Du Gewicht verlieren, einfach nur fit sein, athletisch aussehen oder richtig Muskeln aufbauen? Fang damit an Dein Ziel möglichst spezifisch zu definieren. Wo stehst Du jetzt und wo möchtest Du hin?

2. Dein Trainingssystem

Du möchtest einfach nur Gewicht verlieren und fit aussehen? Dann gibt es unzählige Möglichkeiten für Dich. Du kannst theoretisch nahezu jede Form von Fitness betreiben, die Deinen Kalorienverbrauch erhöht und Dein Herz-Kreislauf-System beansprucht, wobei bestimmte Methoden effizienter sind als andere. Wenn Du allerdings athletisch aussehen oder Muskeln aufbauen möchtest, dann kommst Du am Training mit Gewichten (oder allgemeiner Widerständen) nicht vorbei.

3. Deine Kalorienbilanz

Wenn Du weniger Kalorien zu Dir nimmst als Du verbrauchst, dann verlierst Du Gewicht und umgekehrt. Ganz einfach. In dieser Gleichung gibt es zwei Variablen, die Du beeinflussen kannst. Der Kalorienverbrauch, den Du in diesem Zusammenhang über Dein Training steuerst und Deine Kalorienzufuhr, die Du über Deine Ernährung steuerst. Hier geht es erstmal nur um die Zahl auf der Waage und nicht um die Körperstruktur (Muskel-/Fettanteil).

4. Deine Nährstoffbilanz

Wird von Makronährstoffen gesprochen, geht es immer um die drei großen Bausteine Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Bei dem ganzen Hype um Proteine wirst Du vielleicht schon mitbekommen haben, dass diese eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit Fitness und Muskelaufbau spielen.

Diese vier Punkte müssen aufeinander abgestimmt werden und das ist gar nicht so kompliziert. Ich mach‘ es mal an einem Beispiel deutlich.

Das kürzeste Online-Trainingsprogramm der Welt:

  • Männlich, 20 Jahre jung, 1,80 m groß, 70 kg
  • Ausgangslage: Schlank, aber nicht athletisch. Keine Fitnesserfahrung und wenig Bewegung im Alltag.
  • Ziel: Muskeln aufbauen und athletisch aussehen bei einem Gewicht von 80 kg.
  • Trainingssystem: Das Ziel besteht also darin 10 kg Muskelmasse aufzubauen. Der schnellste Weg dorthin führt über klassisches Hypertrophietraining an Gewichten. Da wir es mit einem unerfahrenen Athleten zu tun haben, sollte man mit einem Ganzkörperplan und Verbundübungen (inkl. Techniktraining) mit einer Frequenz von 2 Mal in der Woche starten. Nach 6-8 Wochen kann die Arbeitslast gesteigert und ein Split-Trainingsplan mit einer Frequenz von 3 bis 4 Trainingseinheiten pro Woche aufgestellt werden. Dabei kann auf klassische Kurz- und Langhantelübungen und ergänzend auch auf Maschinen zurückgegriffen werden. Das Internet ist voll mit Websites, die jede Übung kostenlos und ausführlich erklären (inkl. Videos). 3-4 Sätze pro Übung mit 8-10 Wiederholungen mit Fokus auf Progression.
  • Kalorienbilanz: Zunächst müsste der tägliche Kalorienverbrauch ermittelt werden (dazu stehen mittlerweile verschiedene kostenlose Tools zu Verfügung). Mit dem neuen Training steigt der Verbrauch entsprechend an. Um Muskelmasse aufzubauen, muss ein Kalorienüberschuss erzeugt werden. D.h. der junge Mann muss zunächst seine ursprünglichen Kalorien zu sich nehmen, zusätzliche Kalorien um das Training auszugleichen und zusätzliche Kalorien, um einen leichten Überschuss zu erzeugen und nicht Fett statt Muskeln aufzubauen.
  • Nährstoffbilanz: Für den Muskelaufbau wird er täglich im durchschnittlich 2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht benötigen. Das heißt zu Beginn 140 g Eiweiß am Tag. In etwa 1 g gesunde Fette pro kg Körpergewicht und den Rest des Kalorienbedarfs kann er mit (am besten überwiegend mit langkettigen) Kohlenhydraten auffüllen.

Gerade untrainierte Menschen werden relativ schnell Erfolge im Hinblick auf Kraft und Optik mit so einem Trainingssystem erzielen. Schnell heißt in diesem Beispiel nicht 12 Wochen, denn nur mit Disziplin, Kontinuität und intelligentem Training (d.h. wenn er sein Ego im Griff hat) wird er sein endgültiges Ziel von 10 kg zusätzlicher Muskelmasse vielleicht nach 1,5 bis 2 Jahren erreichen können. Komplizierter wird es erst, wenn man irgendwann sogenannte Plateaus erreicht. Aber da muss man erst einmal hinkommen.

Wenn das so einfach ist, dann brauchst Du doch kein Online-Fitnessprogramm, oder?

In der Theorie nicht, denn die Methoden sind nicht das Problem. Du könntest Dir mit ein wenig Recherche-Arbeit Deinen eigenen Trainingsplan zusammenstellen. Und diejenigen, die behaupten ihr Trainingssystem sei revolutionär, behaupten dies vermutlich nur aus Marketinggründen. Man kann die technischen Aspekte eines webbasierten Programms natürlich verbessern (App für das Handy, hochwertige Videos, digitale Trackingmöglichkeiten etc.), der Kern des Trainings bleibt aber der gleiche. Mal in pink, mal in blau, mal in orange, das war’s.

Das eigentlich Problem lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Motivation.

Wenn es ein Online Trainingssystem gibt, das Dich motiviert, das Dich dazu bringt regelmäßig zu trainieren und Dich richtig zu ernähren, dann kann es sich für Dich lohnen. Darum funktionieren fast alle Programme, weil sie Deine Lebensgewohnheiten (wenn auch nur temporär) verändern. Dein Körper reagiert entsprechend darauf und verändert sich ebenfalls.

Wenn man sich den Markt einmal anschaut, dann können wir vier verschiedene Kategorien von Online-Fitnessprogrammen unterscheiden:

Der anonyme Platzhirsch
  • Unternehmen: groß
  • Hat das Programm ein Gesicht: nein
  • Technische Umsetzung: aufwendig
  • Marketingaufwand: hoch (inkl. TV-Werbung)
  • Suchmaschinenrelevanz für allgemeine, relevante Keywords: hoch
  • Zielgruppe: Jeder, der ein Programm sucht oder erst noch überzeugt werden muss
  • Angebot: breit aufgestellt
  • Beispiel 1: www.gymondo.de
  • Beispiel 2: www.fitnessraum.de
  • Beispiel 3: www.newmoove.com
Der Platzhirsch und der Promi
  • Unternehmen: groß
  • Hat das Programm ein Gesicht: ja, bekannt im Mainstream
  • Technische Umsetzung: aufwendiges double (gleiche Vorlage für verschiedene Programme)
  • Marketingaufwand: hoch (inkl. TV-Werbung)
  • Suchmaschinenrelevanz für allgemeine, relevante Keywords: mittelmäßig
  • Zielgruppe: Fans und Anhänger der Programmperson
  • Angebot: spezifisch
  • Beispiel 1: www.sophia-thiel.com
  • Beispiel 2: www.machdichkrass.de
  • Beispiel 3: www.hollywood-fit.de
Der Einzelkämpfer und Social Media Experte
  • Unternehmen: klein bis mittelgroß
  • Hat das Programm ein Gesicht: ja, bekannt insbesondere in der Fitnessszene
  • Technische Umsetzung: mittelmäßig bis aufwendig (im Vergleich zu den ersten beiden Kategorien)
  • Marketingaufwand: insbesondere über eigene Social-Media Kanäle
  • Suchmaschinenrelevanz für allgemeine, relevante Keywords: niedrig
  • Zielgruppe: Im wesentlichen Fans und Anhänger
  • Angebot: spezifisch
  • Beispiel 1: http://flaviosimonetti.de/p/muskelakademie/
  • Beispiel 2: https://bodywork360.com/
  • Beispiel 3: http://www.bodyip.de/
Die Miezekatze
  • Unternehmen: klein
  • Hat das Programm ein Gesicht: ja, eher unbekannt
  • Technische Umsetzung: simpel (teilweise pdf-Dateien)
  • Marketingaufwand: niedrig
  • Suchmaschinenrelevanz: sehr niedrig
  • Zielgruppe: verzweifelte und orientierungslose
  • Angebot: spezifisch

Welches jetzt das richtige Online-Fitnessprogramm für Dich ist? Das kannst nur Du beantworten. Schau Dich um und frag Dich, welches Programm Dich motiviert am Ball zu bleiben. Und schau‘  genau hin, ob alle oben genannten vier Punkte berücksichtigt werden?

Die gleichen Punkte gelten natürlich auch für die Auswahl eines geeigneten Personal Trainers. Die 1 : 1 Betreuung durch einen kompetenten Personal Trainer können die Programme sicher nicht ersetzen. Wenn Du die Möglichkeit hast Dich individuell betreuen zu lassen, würde ich diese Variante immer vorziehen. Im Gegensatz zu den Programmen kann ein Coach Dich bei Deinen Übungsausführungen kontrollieren, korrigieren und auf Deine individuellen Bedürfnisse eingehen. Ein guter PT wird Dir die Prinzipien und Techniken so beibringen, dass Du nach kurzer Zeit in der Lage bist, alleine weiterzumachen, sofern Du motiviert bleibst.

Dein Tuncel

von Fitrating.de

Hast Du selbst schon Erfahrungen mit Fitnessprogrammen gemacht? Schreib’s mal in die Kommentare.

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