Du hast vielleicht schon von diesem Zahlenverhältnis gehört. Die 80/20-Regel, auch als Paretoprinzip bekannt (benannt nach Vilfredo Pareto) beschreibt ein Phänomen, das sich in einer bestimmten statistischen Verteilung niederschlägt:

  • In 20% Deiner Zeit erledigst Du 80% Deiner Aufgaben
  • 20% der Produktpalette eines Unternehmens erwirtschaften 80% des Gesamtumsatzes
  • 20% der Kunden sind für 80% der Beschwerden verantwortlich

Um die exakten Zahlen soll es hier gar nicht gehen. Es geht um die Tendenz und die Grundaussage dieser Regel. Meist hat eine kleine Anzahl von Dingen eine große Auswirkung, während eine Vielzahl anderer Dinge nur sehr kleine Auswirkungen haben. Unterscheide die „vital few“ von den „usefull many“ und konzentriere Dich darauf. Diese Regel wird oft als Handlungsratgeber im Zeitmanagement eingesetzt, um überflüssige Tätigkeiten zu eliminieren, lässt sich aber auch auf bestimmte Bereiche des Fitnesstrainings übertragen. Du kannst beispielsweise mit einer relativ kleinen Anzahl an Grundübungen (Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken, Klimmzüge, Rudern) einen großen Teil Deines Trainingserfolges beeinflussen. Die Vielzahl an möglichen, zusätzlichen Isolationsübungen verschlingt Zeit und Mühe, bringt Dir im Verhältnis aber weniger Ergebnisse.

Leider nein, leider gar nicht

Und jetzt kommt’s: Wenn es um Deine Ernährung geht, dreht sich das Verhältnis, denn hier zählen die 80%. Was das für Dich bedeutet? Ernähre Dich überwiegend von gesunden, nahrhaften und unverarbeiteten Lebensmitteln, dann darfst Du Dir von Zeit zu Zeit auch ohne schlechtes Gewissen etwas gönnen. Ich weiß, klingt total trivial, aber diese Regel funktioniert! Das sage ich aus voller Überzeugung, weil ich schon viele Jahre selber danach lebe.

Lass mich Dir erklären, warum diese Regel auch für Dich funktionieren wird.

Du bist ein Mensch und keine Maschine  

Wir können uns nicht immer alles verbieten. Jeder von uns möchte auch mal unbeschwert genießen oder über die Stränge schlagen. Wenn Du Dir alles verkneifen musst, angefangen von der gemeinsamen Mittagspause mit Kollegen, über das ausschweifende Abendessen mit Freunden, bis hin zum gemütlichen Netflix-Marathon mit Schoki, Eis & Co., dann hast Du Dir eine Ernährungsform bzw. Diät ausgesucht, die keine Ausnahmen zulässt und damit zum Scheitern verurteilt ist. Du kannst das alles nachvollziehen und gibst mir Recht? Dann vermutlich, weil Du solche Diäten schon hinter Dir hast. Wir sind einfach nicht perfekt. Wenn von Dir allerdings statt den perfekten 100% nur 80% verlangt werden, dann steigen Deine Erfolgschancen. 80 % bekommen wir schon hin, auch ohne gleich zum Ernährungspsychopathen zu werden oder uns von unserem Sozialleben verabschieden zu müssen.

Keine Diät, sondern ein Ernährungsstil

Es geht mir nicht um kurzfristige Erfolge, deswegen ist die 80/20-Regel auch keine Diät, sondern vielmehr ein Ernährungs- oder Lebensstil. Das Problem an Diäten ist doch immer die Zeit nach der Diät, oder? Du verkneifst Dir eine Weile alles Mögliche, erreichst Dein Ziel (irgendeine Zahl auf der Waage) und kehrst dann schleichend wieder in alte Ernährungsmuster zurück, bis Du wieder bei Deinem Ursprungsgewicht und im schlechtesten Fall sogar darüber angekommen bist. Wenn Du auf Diät bist und an einem schwachen Tag mal zu „verbotenen“ Cheats greifst, hast Du gleich das Gefühl versagt zu haben, schmeißt alles über Board und schiebst Dir auch noch die drei Eimer Ben & Jerry’s hinterher, weil Du es (gefühlt) ohnehin schon versaut hast. Kennst Du das Phänomen? Bei der 80/20-Regel gibt es das nicht. Wenn Du mal eine Naschmahlzeit einlegst, dann geht diese auf Dein 20%-Konto, kein Problem, durchatmen. Jetzt konzentrierst Du Dich wieder auf die 80%.

Du bleibst flexibel

Das Schöne an der 80/20-Regel ist, dass sie Dir genug Flexibilität gibt. Manchen Menschen fällt es in der Woche relativ leicht sich gesund zu ernähren, am Wochenende dafür umso schwerer. Du fühlst Dich angesprochen? Dann macht es für Dich Sinn, Dir Deine 20% komplett fürs Wochenende aufzusparen. Andere brauchen ihren Cookie nach jedem Mittagessen oder gönnen sich gern abends vor dem Fernseher eine Kleinigkeit (so wie ich), auch in Ordnung, solange Du den Rest des Tages die richtigen Entscheidungen triffst. Du versteht was ich meine, oder?

Du lernst intuitives Essen

Du sollst Dich – im Gegensatz zu klassischen Diäten – nicht den ganzen Tag damit beschäftigen, was Du essen darfst und was nicht. Worüber Du zu Beginn noch nachdenkst, wird nach einer Weile zur Routine für Dich werden. Und das Schöne an Routinen ist, dass sie keine Anstrengung mehr erfordern, sondern intuitiv ablaufen. Du wirst Dich körperlich, aber auch mental an Deinen Ernährungsstil gewöhnen. Du merkst schon, das ganze „Konzept“ zielt darauf ab, langfristig erfolgreich zu sein.

Du und Dein Essen haben ein super Verhältnis

Dieser Punkt ist wirklich wichtig. Du solltest grundsätzlich ein positives Gefühl mit Essen verbinden. Essen soll Spaß machen und muss etwas bleiben, worauf Du Dich freust. Bei der 80/20-Regel gibt es keine Verbote im klassischen Sinne. Deswegen funktioniert das in meinem persönlichen Fall auch so gut. Alles ist möglich, solange Du Dich im Rahmen bewegst.

Wenn Du Dich an diese Regel hältst, im Idealfall in Verbindung mit regelmäßigen Sporteinheiten, garantiere ich Dir, dass Du erfolgreich sein wirst. Und zwar – das ist das Wichtigste – ohne gleich Dein Leben komplett auf den Kopf zu stellen oder auf alles Gute zu verzichten. Die Zahlen 80 und 20 sind außerdem nicht in Stein gemeißelt, sondern eher als Richtwert oder Durchschnitt zu verstehen. Probier’ es einfach mal aus und lass’ mich in den Kommentaren wissen, was Du denkst (keine Anmeldung erforderlich). Vielen Dank im Voraus!

Dein Tuncel

von Fitrating.de